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Ratgeber

Handwerk oder Studium?

Die Frage wird meist mit einem Vorurteil beantwortet statt mit einer Rechnung. Hier ist die Rechnung — inklusive der Fälle, in denen das Studium gewinnt.

Die Frage wird meist mit einem Vorurteil beantwortet statt mit einer Rechnung. Also rechnen wir.

Die kurze Antwort: Über die ersten vier Jahre liegt das Handwerk finanziell klar vorn — rund 45.000 Euro verdient gegenüber Kosten für Semesterbeiträge und Lebenshaltung. Langfristig entscheidet nicht Handwerk gegen Studium, sondern was du daraus machst.

Die ersten vier Jahre

Ausbildung HandwerkBachelorstudium
Einkommen Jahr 1rund 11.000 €0 €
Einkommen Jahr 2rund 11.500 €0 €
Einkommen Jahr 3rund 12.500 €0 €
Einkommen Jahr 4 (Geselle ab Mitte)rund 20.000 €0 €
Summe nach 4 Jahrenrund 55.000 €0 €
Semesterbeiträge (8 Semester)rund 2.500 €
AbschlussGeselleBachelor

Ausbildungsvergütung auf Basis unserer Auswertung von 26 Hamburger Handwerksanzeigen (Median 900–1.050 € im 1. Jahr, steigend). Gesellenjahr konservativ angesetzt. Studienkosten ohne Lebenshaltung, da diese in beiden Fällen anfallen — beim Azubi allerdings aus eigenem Einkommen.

Was die Tabelle nicht zeigt

Schuldenfreiheit

Wer studiert und kein Elternhaus im Rücken hat, arbeitet nebenher oder nimmt BAföG. Ein Azubi verdient ab dem ersten Tag und schuldet niemandem etwas. Das ist kein kleiner Unterschied, wenn man mit Mitte zwanzig eine Wohnung sucht.

Der Meisterweg

Der Gesellenbrief ist nicht das Ende. Der Meister berechtigt zum Ausbilden, zur Betriebsführung — und in Deutschland zum Hochschulstudium, auch ohne Abitur. Wer einen Betrieb übernimmt oder gründet, verlässt jede Gehaltstabelle. Wer als Angestellter Meister ist, verdient je nach Gewerk und Region ordentlich.

Wie gefragt du bist

In Hamburg sind aktuell 1.227 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt. Betriebe suchen, nicht Bewerber. Nach der Ausbildung gilt dasselbe: Ein guter Geselle in der Elektrotechnik oder der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik muss sich in Hamburg keine Sorgen um einen Arbeitsplatz machen — die Wärmewende und die Elektromobilität laufen über genau diese Hände.

Was ein Studium wirklich kostet

Nicht das Geld ist der teure Teil, sondern die Zeit — und das Risiko. Rund ein Viertel bis ein Drittel der Bachelorstudierenden bricht ab. Wer nach vier Semestern aufhört, hat Scheine, die keinen Arbeitgeber interessieren. Wer nach vier Semestern Ausbildung aufhört, hat zwei Jahre Berufserfahrung und Geld verdient.

Wann das Studium die bessere Wahl ist

Diese Seite ist keine Werbung gegen das Studium. Es gibt klare Fälle, in denen es der richtige Weg ist:

Schlecht ist ein Studium aus einem einzigen Grund: weil einem nichts Besseres eingefallen ist und alle anderen es auch machen.

Und wenn du beides willst?

Duales Studium, Ausbildung mit anschließendem Meister und Studium, oder ein Techniker nach dem Gesellenbrief — die Wege lassen sich kombinieren. Die Reihenfolge Ausbildung zuerst hat einen praktischen Vorteil: Du verdienst früher Geld und weißt hinterher, ob Theorie überhaupt dein Ding ist.

Häufige Fragen

Verdient man im Handwerk weniger als mit Studium?

Am Anfang deutlich mehr, später kommt es auf den Weg an. Ein Azubi verdient ab Tag eins 850 bis 1.516 Euro, ein Student zahlt Semesterbeiträge. Wer nach der Ausbildung den Meister macht oder einen Betrieb übernimmt, kann an Akademikergehälter heranreichen oder darüber hinausgehen.

Kann ich nach einer Handwerksausbildung noch studieren?

Ja. Der Meisterbrief berechtigt in Deutschland zum Hochschulstudium, auch ohne Abitur. Der Weg Ausbildung, Meister, Studium steht offen — umgekehrt ist er deutlich schwerer.

Wie lange dauert es, bis sich das Handwerk finanziell rechnet?

Über die ersten vier Jahre liegt ein Azubi finanziell klar vorn: Er verdient rund 45.000 Euro, während ein Student meist Kosten hat. Diesen Vorsprung holt ein Akademiker je nach Fach und Gehalt erst nach mehreren Berufsjahren auf — bei manchen Studiengängen gar nicht.

Was, wenn ich mich falsch entscheide?

Beide Wege sind korrigierbar. Ein Ausbildungsabbruch ist kein Makel, ein Studienabbruch auch nicht. Der Unterschied: Nach zwei Jahren Ausbildung hast du Berufserfahrung und Geld verdient, nach zwei Jahren abgebrochenem Studium hast du Scheine, die niemanden interessieren.

Für wen ist ein Studium die bessere Wahl?

Wenn dich ein Fach wirklich interessiert und du weißt, warum. Wenn du in Forschung, Medizin, Recht oder Lehramt willst, führt kein Weg daran vorbei. Schlecht ist ein Studium als Ausweichlösung, weil einem nichts anderes eingefallen ist.

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