Die meisten Bewerbungsvorlagen im Netz sind für Bürojobs geschrieben. Im Handwerk gelten andere Regeln: kürzer, direkter, weniger Floskeln. Diese Anleitung ist für Handwerksbetriebe gemacht — und du kannst sie in zwanzig Minuten umsetzen.
Kurz gefasst: Anschreiben, Lebenslauf, letztes Zeugnis. Fünf bis acht Sätze im Anschreiben. Kein Deckblatt, keine Mappe. Und ruf vorher an.
Was ein Handwerksmeister wirklich liest
Ein Betriebsinhaber mit zwölf Mitarbeitern liest Bewerbungen abends nach Feierabend. Er sucht drei Antworten:
- Warum dieser Beruf? Nicht „weil ich technikinteressiert bin", sondern etwas Konkretes.
- Warum mein Betrieb? Ein Satz reicht, aber er muss zeigen, dass du dir die Firma angesehen hast.
- Bist du zuverlässig? Das liest er zwischen den Zeilen — an der Rechtschreibung, an der Vollständigkeit, daran ob du dich an Absprachen hältst.
Das Anschreiben — mit Beispiel
Hier eine Vorlage zum Anpassen. Ersetze alles in eckigen Klammern und streiche, was nicht stimmt — Abschreiben merkt jeder.
Betreff: Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als [Beruf] ab August 2027
Sehr geehrte/r Frau/Herr [Name],
auf der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer habe ich gesehen, dass Sie für August 2027 einen Auszubildenden als [Beruf] suchen. Darauf möchte ich mich bewerben.
[Ein konkreter Satz, warum dieser Beruf. Beispiel: Bei einem Praktikum im letzten Jahr habe ich zwei Wochen auf einer Baustelle mitgearbeitet und dabei gemerkt, dass mir Arbeit gefällt, bei der man am Abend sieht, was man geschafft hat.]
[Ein Satz zum Betrieb. Beispiel: Dass Sie auch Wärmepumpen einbauen, finde ich besonders interessant, weil das der Bereich ist, der in den nächsten Jahren am stärksten wächst.]
Zurzeit besuche ich die [Schule] und werde sie im Sommer [Jahr] mit dem [Abschluss] verlassen. Über die Möglichkeit, Sie in einem Gespräch oder bei einem Probearbeiten kennenzulernen, würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen
[Vorname Nachname]
Das war es. Keine Einleitung über die eigene Persönlichkeit, keine Aufzählung von Stärken, kein „hiermit bewerbe ich mich".
Der Lebenslauf
Eine Seite, tabellarisch, rückwärts sortiert. Enthalten sein sollten:
- Name, Adresse, Telefonnummer, E-Mail, Geburtsdatum
- Schulbildung mit Jahreszahlen und angestrebtem Abschluss
- Praktika — im Handwerk das wichtigste Feld nach der Schule
- Nebenjobs, auch Zeitung austragen oder Aushilfe im Supermarkt. Das zeigt, dass du arbeiten kannst.
- Hobbys, wenn sie etwas aussagen: Fahrrad schrauben, Modellbau, Vereinsmannschaft
Eine E-Mail-Adresse nach dem Muster vorname.nachname statt eines Spitznamens. Klingt banal, fällt aber auf.
Vorher anrufen — der unterschätzte Schritt
Bei kleinen Betrieben ist ein Anruf oft wirksamer als die perfekte Mappe. So machst du es:
„Guten Tag, mein Name ist [Vorname Nachname]. Ich habe gesehen, dass Sie für 2027 einen Azubi als [Beruf] suchen — ist die Stelle noch frei? … Dann würde ich Ihnen gern eine Bewerbung schicken. An welche Adresse am besten?"
Dreißig Sekunden, und deine Bewerbung landet nicht auf einem anonymen Stapel, sondern bei jemandem, der weiß, dass sie kommt.
Die häufigsten Fehler
- Textbausteine aus dem Netz. Ein Meister erkennt sie sofort — er liest jedes Jahr zwanzig davon.
- Rechtschreibfehler im Betriebsnamen. Der sicherste Weg in den Papierkorb.
- Kein Bezug zum Betrieb. Wer dasselbe Schreiben an zehn Firmen schickt, bekommt zehn Absagen.
- Zu lang. Mehr als eine Seite Anschreiben liest niemand.
- Nicht erreichbar sein. Wenn der Betrieb anruft und niemand rangeht, ist die Chance oft weg. Mailbox einrichten.
Häufige Fragen
Wie schreibe ich eine Bewerbung um eine Lehrstelle im Handwerk?
Kurz und konkret. Ein Handwerksmeister liest keine halbe Seite Selbstbeschreibung, sondern will drei Dinge wissen: Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, und ob du zuverlässig bist. Ein Anschreiben von fünf bis acht Sätzen reicht völlig.
Was gehört in eine Bewerbung?
Anschreiben, Lebenslauf und das letzte Zeugnis. Mehr nicht. Deckblatt, Motivationsschreiben und Bewerbungsmappe sind im Handwerk unüblich und wirken eher steif als engagiert.
Muss ich gute Noten haben?
In der Mehrzahl der Hamburger Handwerksanzeigen genügt der erste allgemeinbildende Schulabschluss, viele schreiben ausdrücklich, dass alle Schulabschlüsse möglich sind. Betriebe achten stärker auf Zuverlässigkeit und echtes Interesse als auf die Mathenote.
Kann ich mich auch telefonisch bewerben?
Bei kleinen Handwerksbetrieben ist das oft die beste Variante. Ein kurzer Anruf, ob noch ein Platz frei ist, bleibt hängen — und viele Chefs entscheiden nach dem Eindruck am Telefon, ob sie die Unterlagen überhaupt lesen.
Was mache ich, wenn ich eine Absage bekomme?
Nachfragen, woran es lag. Die meisten Betriebe antworten ehrlich, und die Antwort hilft bei der nächsten Bewerbung mehr als jede Vorlage. Eine Absage bedeutet bei 1.227 offenen Lehrstellen in Hamburg nicht viel.
Du willst dir das sparen? Wir übernehmen den Erstkontakt für dich. Beim kostenlosen Eignungs-Check beantwortest du acht Fragen, wir melden uns innerhalb von 24 Stunden und stellen dich passenden Betrieben persönlich vor — kostenlos, immer.
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